Calw
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Außenstelle informiert bei Präventionstheater

05.02.2017

Während "Gauner" Felix (links) sein Opfer eloquent ablenkt und beschäftigt und dabei deren Hilfsbreitschaft konsequent ausnutzt, kann "Ganove" Allan unbemerkt – aber vor aller Augen des Publikums – Handtasche und Handy der Dame aus dem Publikum stibitzen. Spätestens diese Szene zeigte allen im Saal: Vor solch dreisten Betrug ist wirklich niemand gefeit.

Es braucht wahrlich keiner zu denken, er sei gegen die Tricks der Gauner dieser Welt gefeit. Wie raffiniert diese sind, zeigte eine Aufklärungsveranstaltung des Seniorenrats Althengstett am 5.Mai 2017 in der Festhalle.

"Hallo Oma, ich brauch Geld!" war das Mitmach-Theater des Duos Allan Mathiasch und Felix Beck aus Ludwigsburg überschrieben – und spielte damit auf die erste sowie wohl berühmteste Masche der modernen Betrüger an diesem Nachmittag an: der Enkel-Trick. Den kannten offensichtlich bereits alle in der mit knapp 200 Zuschauern voll besetzten Festhalle.
Entsprechend vergeblich mühte sich "Ganove" ­Mathiasch am Theater-Telefon ab, sein aus dem Publikum auf die Bühne geholtes Opfer Brigitte, das angeblich vom falschen Enkel dringend benötigte Geld für eine Mietsicherheit zu entlocken. Tapfer und konzentriert widerstand die Frau jeder eloquenten Spitzfindigkeit des vermeintlichen Enkels und wies ihn schließlich souverän in seine Schranken. Allerdings: Das hier war ja eine quasi künstliche Situation, von der jeder wusste, was ihn oder sie gleich erwarten würde.

Doch schon das war ein wohlüberlegtes Kalkül der beiden Theaterakteure, die erst jüngst den "European Crime Prevention Award", einen Präventionspreis der Europäischen Union, mit diesem Stück erringen konnten. Denn wie falsch dieses trügerische Gefühl der Souveränität gegenüber den mit allen Wassern gewaschenen Gaunern dieser Welt sein kann, bewies das zweite Beispiel auf offener Bühne.

Dieses Mal ging es um einen angeblichen Besucher des Nachbarn, der an der eigenen Haustür klingelt, um eine Nachricht für eben diesen Nachbarn zu hinterlassen. Während Felix Beck als gehandicapter Fragesteller sein Opfer mit allerlei Gespür beschäftigt und ablenkt, kann "Komplize" Mathiasch vor aller Augen in diesem Saal die Dame aus dem Publikum um Handtasche und Handy berauben – ohne dass diese auch nur das geringste merkt. Erschütterung nicht nur beim Opfer, als sie über das, was eben gerade mit und um sie herum passiert ist, aufgeklärt wird. Auch beim übrigen Publikum sitzt der heilsame Schock der Erkenntnis tief. Das hätte mich genauso treffen können!

Wie Zauberer im Varieté arbeiten moderne Ganoven mit der Systematik unserer Aufmerksamkeit – es muss sich keiner schämen, der auf sie hereinfällt. Doch wer sich präventiv schützen will, muss sein Misstrauen schon auf Gefechtsstation bringen, lange bevor sich einem Fremde mit gleich welchem Anliegen nähern. Lieber ein bisschen mehr Vorsicht, ein bisschen mehr nützliche Unfreundlichkeit und Bestimmtheit, als hinterher erst durch Schaden klug zu werden.

Wie groß das Problem mit den Trickbetrügern mittlerweile ist, zeigt sich auch hier in der Festhalle Althengstett: Eine Dame berichtet, dass man gerade erst dieser Tage den Enkel-Trick bei ihr versucht habe. Und Tischnachbarin Johanna erzählt, dass bei ihr schon mehrfach jemand Dubioses im Hausflur stand, um sich mit einen Vorwand Einlass in ihre Wohnung zu verschaffen. "Einmal hieß es, sie seien von der Telekom – dabei bin ich bei KabelBW. Da waren die ganz schnell weg." Glück gehabt. Doch nicht immer geht es so glimpflich ab.

Weil, wie die Theater-Pädagogen Mathiasch und Beck im Informationsteil ihrer Aufführung berichten, die Gauner-Trupps mittlerweile mit regelrechten Callcentern ihre Telefonlisten systematisch abarbeiten. Wer vom Vornamen her ("Gottfried und Brunhilde – herrlich altmodisch!") oder seinem Wohngebiet ("Hirschgasse" – so heißen Seniorenquartiere) ins Profil passt, gerät immer ins Visier der Trickbetrüger.

Die Außenstelle Calw des WEISSEN RINGS informierte während der Veranstaltung an einem Infostand über Straftaten an Senioren.

Foto und Textauszüge: Kunert Foto: Schwarzwälder-Bote